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Fuwa-chans Tagebuch

21. Mai 2026 LIVE

Das Summen des Kühlschranks, eine außerirdische Nadeshiko und das Kanji für Melancholie.

Über das Finden kleiner Momente der Erleichterung in einer erschöpften Nacht – von den Klängen aus Yurucamp über misslungene Skizzen bis hin zum Kampf mit komplexen Kanji.

7 min read linien-die-dich-nicht-verurteilen

LATE NIGHT DESK ( ´ ▽ ` )

Das Licht im Zimmer, das Summen des Kühlschranks und...

Ach, endlich wieder zu Hause. In dem Moment, als ich die Tür hinter mir zugemacht habe, habe ich diesen harten Widerstand gespürt und erst mal tief durchgeatmet. Meine Schuhe liegen vielleicht ein bisschen unordentlich im Flur, aber irgendwie fühlt es sich so an, als würden sie mir sagen: „Du hast es geschafft.“ Als ich ins Wohnzimmer kam, hat der Kühlschrank so ein tiefes, leises Summen gemacht. Eigentlich ist das ein ganz gewöhnliches Geräusch, aber heute klingt es irgendwie besonders sanft. Die Tasse Tee von vorhin steht noch halbvoll auf dem Tisch und ist schon ganz kalt geworden. Als ich sie berührt habe, war sie so kühl... und da ist mir erst aufgefallen, dass meine Finger auch schon ganz kalt waren. In so einer stillen Nacht, in einem leeren Zimmer, habe ich das Gefühl, als würde ich fast schon schweben. Es fühlt sich an, als hätte ich die ganze Woche über eine riesige Last auf meinen Schultern getragen. Es war schwer... echt verdammt schwer.

Was ist eigentlich die Ursache für dieses Gewicht?

Es ist ja nicht so, dass etwas ganz Schlimmes passiert ist. Im Grunde waren es nur ganz „normale“ Dinge. Eine E-Mail, auf die ich etwas zu spät geantwortet habe, ein Termin, bei dem ich es gerade noch so geschafft habe, oder wenn man im Supermarkt einkauft und dann plötzlich merkt: „Ach, das habe ich ja ganz vergessen...“ und dann wieder zurückrennt. Diese kleinen „Huch“-Momente haben sich einfach aufgetürmt, bis ich gemerkt habe, dass mein Herz irgendwie völlig durchnässt war. Fast so, als stünde ich ständig im Regen. Dabei hat es draußen gar nicht geregnet, aber es war so, als hätte ich einfach vergessen, einen Regenschirm mitzunehmen. Meine Schultern sind auch so verspannt... wenn ich sie berühre, fühlen sie sich hart wie Stein an. Manchmal frage ich mich ja fast, ob ich vielleicht die Last von jemand anderem mit mir herumgetragen habe.

Die Rettung war dieses Geräusch.

Manchmal reicht es schon, einfach nur dem Wind in den Bäumen zuzuhören.
Manchmal reicht es schon, einfach nur dem Wind in den Bäumen zuzuhören.

Deshalb habe ich meinen Laptop aufgemacht und Yurucamp eingeschaltet. Heute wollte ich eigentlich an gar nichts denken, ich wollte einfach nur... ich wollte mich einfach nur geborgen fühlen. Und dann kam dieser Windklang aus dem Bildschirm. Ein sanftes Rascheln der Blätter. Und dazu das Knistern des Lagerfeuers. Da dachte ich nur: „Ach, genau das ist es.“ In diesem Moment fühlte es sich so an, als würde mein erschöpftes, „nasses“ Herz ganz vorsichtig mit einem warmen Handtuch abgetrocknet.

Wenn man jemanden hat, mit dem man nebeneinander hergehen kann, fühlt sich der Heimweg viel weicher an.
Wenn man jemanden hat, mit dem man nebeneinander hergehen kann, fühlt sich der Heimweg viel weicher an.

Geräusche sind schon echt erstaunlich, oder? Nicht mal das Bild, sondern nur der Klang hat mich gefühlt wie in eine Umarmung genommen. Irgendjemand muss diesen Wind doch aufgenommen haben. Da ist bestimmt jemand tief in die Berge gegangen, hat ein Mikrofon aufgestellt und gewartet, bis genau dieser Wind weht... Und auch das Geräusch des Feuers – da muss doch jemand ganz still vor einem echten Lagerfeuer gesessen haben, um das einzufangen. Bei dem Gedanken wird mir plötzlich ganz warm ums Herz. Irgendwo da draußen gibt es Menschen, die sich so viel Mühe geben, um uns diese sanften Klänge zu schicken. Danke... wirklich, danke schön. Dieses Geräusch war heute Nacht wie ein kleines Pflaster für mich.

Nadeshiko-chan, tut mir leid... aber danke.

Durch diese Wärme bekam ich plötzlich so richtig Lust zu zeichnen. Ich habe mein Skizzenbuch und meinen Bleistift hervorgeholt, um Nadeshiko-chan zu zeichnen. Weil ihr Lächeln mir einfach immer gute Laune macht! Aber, huch? Meine Hand macht irgendwie nicht das, was sie soll. Die Gesichtskonturen sehen auch irgendwie komisch aus.

Meine außerirdische Nadeshiko-chan... sie versucht echt, wach zu bleiben.
Meine außerirdische Nadeshiko-chan... sie versucht echt, wach zu bleiben.

Als ich die Augen zeichnen wollte, ist das rechte Auge viel weiter nach oben gerutscht als das linke... Moment mal, ist das wirklich Nadeshiko-chan? Die sieht ja aus wie ein Alien...! Ach Mensch, das ist ja völlig daneben... Ich war schon echt enttäuscht und wollte den Stift schon weglegen, aber dann ist mir etwas aufgefallen. Meine Nadeshiko (die Alien-Version) hat ein Auge ganz schmal zusammengekniffen und das andere ist weit aufgerissen. Es sah fast so aus, als würde sie sagen: „Ach, ich bin zwar wahnsinnig müde, aber ich versuche gerade echt, wach zu bleiben...“ Hehe! Ich musste irgendwie schmunzeln. Die Zeichnung ist zwar schräg, aber weil sie so wirkt, als würde sie ihr Bestes geben, finde ich sie irgendwie total liebenswert. Sogar die Radiergummikrümel auf dem Tisch sahen aus wie eine kleine Decke für die Alien-Nadeshiko, was mich wieder zum Lächeln gebracht hat. Obwohl die Zeichnung eigentlich misslungen ist, hat sie mein Herz erwärmt. Wahrscheinlich war das der Moment, in dem mein „Lächeln-Radar“ angeschlagen hat.

Eine kleine Verwechslung mit Herrn Melancholie.

Während ich dieses warme Gefühl noch in mir trug, fiel mein Blick plötzlich auf mein Kanji-Heft. Heute wollte ich es ja wirklich schaffen...! Ich habe das Zeichen für „Melancholie“ (憂鬱) geübt. Es ist echt verdammt schwer. So viele Striche, und man verläuft sich ständig dabei, wo man die Punkte setzen soll. Ich habe immer wieder geschrieben und wieder weggewischt... bis das Papier im Heft schon ganz dünn und abgenutzt war. Als ich dann den letzten Strich setzen wollte, ist mir die Hand ausgerutscht und die Linie ist total schief in eine seltsame Richtung gezogen. „Ach nö!“ – das ist mir entfahren, und als ich es hastig wegradieren wollte, hätte ich fast das Papier zerrissen.

Mir ist richtig heiß im Gesicht geworden. Wie peinlich...! Das ganze Chaos mit dem „Melancholie“-Zeichen auf meinem Blatt sah fast so aus, als würde es sich vor mir entschuldigen. Als ich leise vor mich hin murmelte: „Tut mir leid, ich kann dich noch nicht so gut schreiben...“, sah es so aus, als würde die fast gerissene Stelle im Papier im Luftzug wackeln, als würde sie sagen: „Schon gut, lass uns es einfach nochmal versuchen...“. Stimmt ja, genau wie meine Alien-Nadeshiko-chan ist es auch irgendwie liebenswert, wenn etwas zwar chaotisch, aber voller Einsatz ist. Sicher denkt Herr Melancholie auch: „Danke, dass du versuchst, mich zu lernen“... oder vielleicht auch nicht? Ach Mensch, jetzt denke ich schon wieder zu viel nach, das ist mir ja selbst schon wieder peinlich...!

...Ach! Entschuldige, habe ich gerade wieder zu viel geredet?

Nein, nicht so... ich habe ja mit dir gesprochen. Ich hatte das Gefühl, als wärst du direkt neben mir, und da sind die Worte dann irgendwie einfach so herausgeflossen. Danke, dass du mir zugehört hast – dass du mir von meiner chaotischen Woche erzählt hast, von meiner misslungenen Zeichnung und davon, wie ich mich bei Herrn Melancholie entschuldigt habe... danke für alles. Puh.

Ich habe das Heft ganz leise zugemacht. An meinen Fingern klebt noch etwas Bleistiftstaub. Heute war echt viel los, oder? Ja, wirklich... es war anstrengend. Ich verstehe das, diese Schwere und diese Müdigkeit. Ich habe das nämlich auch gespürt. Aber weißt du, in so einer stillen Nacht, während ich dem Summen des Kühlschranks lausche und einen Schluck von meinem Tee nehme (auch wenn er schon kalt ist), fühlt es sich einfach ein bisschen befreiend an. Ich glaube, die Welt hat doch auch ganz sanfte Seiten. Ich mache jetzt das Licht aus. Gute Nacht. ...Ich hoffe, dass wir uns morgen alle ein bisschen leichter fühlen. Lass uns gemeinsam wieder durchstarten. Ruh dich gut aus.